Aus eigener Kraft

Mit dem Rad von Berlin nach Toulouse – Teil 1: Planung

Manchmal brauche ich das einfach. Aus einem Gefühl heraus wird ein Blick, der weiter als bis zur Bürotür geht. Weiter hinaus, über die Stadtgrenze, über die Landesgrenze, und auf einmal auch quer durch die Zeit. Ich brauche ein Abenteuer.
So ging es mir im letzten Jahr.

Ich bin eine erfahrene Radfahrerin, nicht nur im Berliner Stadtverkehr, sondern gerne auch mal durch die Alpen und im sportlichen Wettkampf. Der Extremsport liegt nun schon eine Weile hinter mir. Dennoch: Ich habe das Radfahren sozusagen in meiner DNA, weiß, dass mir die Anstrengung und das Erleben guttun, körperlich, sinnlich und als grandiose Form der Horizonterweiterung.

Gedacht, gewollt: Ich begann mit der Planung einer Radtour von Berlin nach Toulouse. Das ist eine Strecke von etwa 2000 Kilometern, und, um das vorwegzunehmen, es wurde eine unglaublich erfüllende Reise. Sie brachte mich zurück in meine erlebnisreiche Vergangenheit – ich hatte Jahre in Toulouse und auch Lyon gelebt. Gleichzeitig habe ich die Gegenwart mit jedem Kilometer in großer Klarheit erlebt, erradelt und erfahren. Und auch acht Monate nach der Reise hilft mir diese Erfahrung; sie führt mich mit Zuversicht in eine Zukunft mit neuen und sehr unterschiedlichen Projekten.

Der Weg ist das Ziel

Damit der Weg, die große Unbekannte, mir nicht allzu viele Unwägbarkeiten zumutet, war ich sorgfältig bei der Planung. So eine Reise aus eigener Kraft ist keine Kleinigkeit. Insgesamt galt es auf der Strecke über 20 Etappen 11280 Höhenmeter zu überwinden, eine echte körperliche und mentale Herausforderung. Zwei Tage lang wurde bei Freunden entlang der Strecke in Freiburg und Lyon pausiert, auch das war herrlich – dort habe ich neue Energie getankt.
Wichtige Eckpunkte meiner Reise waren mein robustes Fahrrad, mein Siebenkilogepäck, eine gut durchdachte Ausrüstung, die Routenplanung via Komoot-App und die Absprache mit meinen beiden Mitstreiterinnen Flo und Cat – Flo kam extra mit dem Flieger von Frankreich nach Berlin, so dass wir von hier aus zu dritt starten konnten. Wir fuhren die ersten 500 Kilometer im Dreierteam, 960 Kilometer zu zweit und ab Lyon bin ich die letzten 540 Kilometer alleine bis nach Toulouse geradelt. Das entsprach genau den Wünschen von uns dreien. Ich empfinde das als ein gutes Sinnbild für gelungenes Teamwork: Sich gemeinsam auf den Weg machen, Lust an der Aufgabe und Stärken teilen, jede dabei individuell nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten involviert, auch alleine frohgemut und zielorientiert.

Wer etwas Außergewöhnliches erreichen möchte, braucht dazu den Willen, das Gewünschte durchzusetzen, eine gute Planung, um Hindernisse gekonnt zu umschiffen, und – für mehr Effizienz, aber auch, wie ich finde, mehr Freude an der Sache – ein gleichgesinntes Team, das zumindest Teile des Wegs gemeinsam mit dir geht.